Katrin Stalder

Wenn Deutsch mehr ist als nur eine Sprache

2015 06 07_C&amp;D_Er&ouml;ffnung_fs_417 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Katrin&nbsp;Stalder)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>stefanskirche.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>83</div><div class='bid' style='display:none;'>1087</div><div class='usr' style='display:none;'>27</div>

„Warum gibt es Deutsch nicht jede Woche?“ fragt mich A. aus Nordafrika, „ich würde gerne jede Woche lernen!“ Diese und ähnliche Fragen habe ich über die letzten Jahre immer wieder gehört.
Deborah Wahrenberger
Gestartet hat das Deutsch im Alltag (DiA), als wir in der Kinderwoche in den Sportferien plötzlich Müttern aus anderen Ländern gegenüberstanden. Ich erinnere mich noch, wie sie ihre Kinder in der Turnhalle abgeliefert haben und dann einfach geblieben sind. Und so starteten wir kurzerhand ein Mütterkaffee, um Zeit mit ihnen zu verbringen, während ihre Kinder in der Turnhalle spielten.

Daraus wurde das Angebot DiA, in dem wir jeden zweiten Mittwoch Nachmittag mit den Frauen Deutsch sprachen, Texte bearbeiteten und je nach Lehrerkonstellation auch deutsche Grammatik büffelten. Ich selber kann keine Grammatik erklären. Dafür war es mir ein Anliegen, die Frauen miteinander in Kontakt zu bringen, ihnen Wertschätzung zu geben in ihrem Mutter- und Frausein und sie wo möglich in alltäglichen Fragen zu unterstützen. Mein Wunsch war es, dass sie dadurch auch die Liebe von Gott für sich ganz persönlich erleben konnten.

Seit diesem Start sind fast sieben Jahre vergangen, und wir hatten sehr unterschiedliche Zeiten. Manchmal war der Unterricht vorbereitet, und keine Frau kam. Manchmal hatten wir zehn Frauen die von Asien, aus dem Nahen Osten, Afrika, Europa oder Südamerika fast alle Kontinente abdeckten. Im Dezember haben wir das DiA beendet, weil wir zuwenig Leitende hatten. Corona verunmöglichte zwar ein richtiges Abschlussfest, aber im kleinen Rahmen einander Wertschätzung aussprechen und ermutigen konnten wir trotzdem. Eine Frau, die nicht dabei sein konnte, schrieb uns, als sie ihre Karte im Briefkasten gefunden hatte: „Vielen Dank. Diese Karte ist das schönste Geschenk, das ich in diesem Jahr erhalten habe.“ Und so endete die Ära von DiA. Einem Programm, das viele der Frauen als „Ort zum Ausspannen und Zeit für sich selber“ erlebt haben. Mich persönlich haben die Geschichten dieser Frauen und ihr Mut, trotz Wiederstand nicht aufzugeben, berührt und meinen Horizont erweitert.

Debora Wahrenberger
Bereitgestellt: 29.01.2021     Besuche: 81 Monat 
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