Katrin Stalder

Uralte Orgelmusik

organ-3867752__340 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Katrin&nbsp;Stalder)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>stefanskirche.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>83</div><div class='bid' style='display:none;'>2169</div><div class='usr' style='display:none;'>27</div>

Orgelmusik kann sehr fremd klingen. Es gibt viele Stücke, die nicht unseren heutigen Hörgewohnheiten folgen. Das ist auch nicht erstaunlich, denn es gibt schon seit ungefähr vierhundert Jahren schriftlich notierte Musik für Orgel. Würde uns eine Person aus dem Jahr 1621 begegnen, wäre sie uns auch sehr fremd: keine Jeans, keine kurzen Haare, keine bequemen Sneakers, sie hätte eine andere Umgangssprache, eine andere Art von Höflichkeit, usw.
Philipp Neukom, Kirchenmusiker,
Anders aber als in der Kleidermode gibt es in der Kunst und der Musik Dinge, die nicht veralten. Wirklich gute Werke haben etwas in sich, das die Zeiten überdauert. Wenn es auch in einem fremden Gewand daherkommt, trägt zum Beispiel ein Orgelstück eine innere Schönheit in sich, die immer noch leuchtet, und auf die es sich lohnt, hinzuhören. Es ist geschrieben und gespielt worden von Musikern (Vor-Vor-Vorgänger von mir!), die ebenso wie wir heute bemüht waren, im Gottesdienst Gott zu loben und seine Grösse und Schönheit zu feiern. Was könnte einem helfen, solche Musik besser zu verstehen und diese innere Schönheit herauszuhören? Mir selber geht es so, dass ich immer dann Mühe habe, Musik zu verstehen, wenn ich sie mit falschen Erwartungen höre. Ich möchte etwas hören, das gar nicht in der Musik drin ist. Natürlich werde ich dann enttäuscht, und das Stück wird mir nicht gefallen. Heute sind wir uns Musik gewohnt, die eine klare Melodie hat, dazu eine Begleitung, vielleicht mit einem groovigen Rhythmus unterlegt. Kirchenmusik aus dem 17. Jahrhundert hat nichts davon. Schlagzeug war damals für Tanzund Militärmusik reserviert. Melodien gibt es zwar schon, aber sie sind nicht so klar von der Begleitung abgesetzt. Wo liegt nun die Schönheit dieser Musik? Ich mache ein konkretes Beispiel: Eine Toccata vom deutschen Komponisten Georg Muffat (1653-1704). „Toccata“ ist ein Titel, der eigentlich gar nichts sagt. Es bedeutet nur, dass Tasten gedrückt werden. Diese Toccata von Muffat besteht aus mehreren Teilen, die immer wieder für Abwechslung sorgen: nach einem schnellen Teil folgt ein langsamer, nach einem rhythmisch Hüpfenden ein ruhig Wiegender. Die Melodien sind nur wenige Töne lang, dafür tauchen sie immer wieder neu und von unerwarteter Seite auf: es ist so, als ob viele Leute diese Melodie aus allen Ecken der Kirche singen würden. Schnelle Läufe perlen wie Gebirgsbäche durch das Stück und verschwinden wieder. Es sind also ganz andere Vorstellungen von Musik, als wir gewohnt sind. Nicht so geordnet in Melodie und Begleitung, Strophe und Refrain wie ein Popsong, dafür voller Überraschungen.
Dieses Stück wird am 11. April im Gottesdienst zu hören sein.
Bereitgestellt: 26.03.2021     Besuche: 114 Monat 
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