Katrin Stalder

Jahresbericht 2020 der Kirchenpflege

Lieferservice <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Katrin&nbsp;Stalder)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>stefanskirche.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>83</div><div class='bid' style='display:none;'>2167</div><div class='usr' style='display:none;'>27</div>

Bless you (Gesundheit/Segen) – Leben aus der Fülle
Es niest jemand, und wir sagen nach einem Jahr Corona mit ganz anderen Gefühlen und neuer Intensität „Gesundheit!“ (Englisch: „Bless you“). „Bless you“ kann aber auch heissen: Sei gesegnet! Eine schöne Doppeldeutung in diesem von Corona geprägten Jahr. Ein Jahr zum Vergessen sei es, sagen die einen, ein verlorenes Jahr. Beim näheren Hinschauen aber kann man mit Überzeugung und Freude auch zu einem anderen Schluss kommen: Es ist ein Jahr, das uns das Leben in seiner ganzen Fülle nähergebracht hat. Und dies trotz oder vielleicht gerade wegen aller Einschränkungen. Speziell, dass wir für 2020 das Jahresthema „Bless you – Leben aus der Fülle“ gewählt haben. Treffend und prophetisch!
Leben aus der Fülle, trotz Einschränkungen In der reformierten Kirche Zürich Hirzenbach bildet sich Gemeinschaft unter normalen Umständen durch ganz viele Möglichkeiten ab, und eine wichtige davon ist, dass man miteinander isst. Dieser wichtige Teil musste gänzlich gestrichen werden. Auch viele andere Elemente fielen aus oder mussten unter grossen Einschränkungen durchgeführt werden.

Der Mittagstisch am Dienstag fand oft in sozialer Nähe (nicht „social distancing“) vor Ort statt, mit der nötigen physischen Distanz. Das war mit der unterdessen auf 40 Personen angewachsenen Gruppe gerade noch möglich im grossen Saal. Während des Lockdowns wurde das Essen zwei Mal wöchentlich ausgeliefert. Pro Auslieferung fanden bis zu 50 schmackhafte Mahlzeiten dankbare Abnehmende.

Das Sommerpicknick wurde als Takeaway organisiert mit der Idee, dass sich kleinere Gruppen bilden konnten. Von dieser Möglichkeit wurde Gebrauch gemacht, und Gemeinschaft wurde auf andere Art und Weise erlebt.

Das Kerzenziehen fiel in eine etwas lockerere Phase. „Ein Licht scheint in der Dunkelheit“, so hat es Susanne Morf, Sozialdiakonin in Ausbildung, wahrgenommen. Während viele Aktivitäten abgesagt waren, wurde das Kerzenziehen von über 1000 Personen besucht (30 Schulklassen und viele Einzelpersonen). Eine Mutter, welche im COFFEE&DEEDS den Mittwochnachmittag verbrachte, während ihre Kinder am Kerzenziehen waren, sagte: „Dieses Jahr waren wir so oft Kerzenziehen wie noch nie. Es ist das Einzige, was man machen kann. Es tut mir gut und den Kindern auch.“ Das Kerzenziehen konnte die gute Nachricht von Weihnachten weitergeben: Jesus kommt zu dir, gerade dort, wo du bist.

In der Adventszeit war die Kirche unter dem Titel „Haus des Gebets“ tagsüber offen. Eine Laterne mit Krippenmotiv, das Friedenslicht und weihnachtliche Musik luden zur Andacht ein. Immer wieder mal war es auch Live-Musik, dargeboten von Philipp Neukom. Vielleicht war das ein Auftakt dazu, dass unsere Kirche auch wochentags mehr und mehr als Haus des Gebets genutzt und wahrgenommen wird.

Gesundes Christsein Go Deep – Leben aus der Fülle wurde gut besucht. Dieser Kurs spricht Menschen an, die entdecken wollen, was Gott schenken will. Er wurde bereits zum dritten Mal von Sonja Sorbara angeboten. In den (Jugend-)Hauskreisen wird gesundes Christsein gefördert. Neu wird Sonja Sorbara in der Betreuung der Hauskreise von Alina Ring unterstütz. Die beiden waren in diesem Jahr besonders gefordert. Es galt, Neuland in der Betreuung der Leitenden zu beschreiten. Auch die Hauskreise mussten neue Wege gehen, weil physische Treffen teilweise nicht möglich waren. Es ist erfreulich, wie die seit einigen Jahren aus den Konfirmationsklassen entstehenden Jugendhauskreise gut weiterlaufen!

Investitionen in gesunde Konzepte, Abläufe und Prozesse
Freude macht auch, wie die seit Jahren gepflegte und geförderte Kultur der Flexibilität und das Interesse für Anderes und Neues sogar unter den Corona-Umständen griff. Das spüren wir speziell durch das churchLAB. Es hat sich als Ideenwerkstatt und Kompetenzzentrum für Entwicklungen etabliert. Das ist enorm bereichernd und hilfreich. Am besten beschreibt sich das churchLAB wohl als „Hefe“. Nicht sehr sichtbar, aber enorm wirkungsvoll.
Spürbar wurde das 2020 ganz besonders im Bereich Neubauprojekt Stefansviertel. Ein ganz grosser Brocken war und ist die Entwicklung des Neubauprojekts. Für eine sorgfältige Klärung offener Fragen wurde die Zeit bis zur Ausschreibung des Wettbewerbs verlängert. Unter der Regie eines Architekturbüros und mit Hilfe verschiedener Fachexperten wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, welche unter anderem zu wichtigen Erkenntnissen für die Flächenverhältnisse der verschiedenen Raumbereiche geführt hat. Parallel dazu konnten kirchenintern viele weitere Entscheidungen erarbeitet werden, durch die Montagsfragen auch unter Mithilfe einer breiteren Öffentlichkeit. Die Verlängerung dieser Phase hat sich gelohnt. In den vergangenen Jahren ist unsere Kirchgemeinde komplexer und vielfältiger geworden. Das COFFEE&DEEDS und die Villa YoYo sind dazugekommen, und nächste Projekte wie das Evangelische Studienhaus und anderes sind bereits angedacht.
Deshalb haben wir von einer Fachperson eine Analyse der administrativen Abläufe machen lassen. Diese Erkenntnisse sind nun in der Umsetzung.

Freiwillig und Leiter – Bless you
Auch während dieser speziellen Zeit haben sich bei uns auf vielen Ebenen Freiwillige enorm ins Zeug gelegt. So z.B. mit dem Live- Stream der Gottesdienste, der professionell von Nico Grütter und Jan Gubser betreut wurde. Aber auch andere mussten Programme x-mal anpassen und dabei viele Extrameilen gehen. Bei der gut besuchten Kinderwoche im August hat sich das ausbezahlt. Anderes musste dann trotz allem Aufwand total abgespeckt (Weihnachtsmusical) oder gar ganz abgesagt werden (Flohmarkt). Da bleibt einfach die Hoffnung, dass gewisse Investitionen im 2021 Nutzen bringen. Man kann nicht immer nur geben, ohne auch selbst zu empfangen.
Deshalb ist uns die Leiterförderung wichtig. Dazu wurde von Sonja Sorbara, Fredy Flückiger, Susanne Morf und Benjamin Bucher ein Konzept erarbeitet, das nun im 2021 umgesetzt werden soll. Ein wichtiger Schritt war ebenfalls, dass wir eine Ermöglicher- Stelle geschaffen h aben. Wir wollen mit Menschen den Platz finden andem sie wachsen und blühen können. Wir wollen nicht einfach Lücken füllen und Leute für spezifische Aufgaben in der Kirchgemeinde suchen. Nein, wir wollen miteinander hinhören, wo jemand mit seinen Begabungen und Träumen hinpasst und dann den entsprechenden Platz vermitteln oder auch vielleicht neu schaffen. Das wird mit sogenannten Gartengesprächen angestrebt. Benjamin Bucher hat diese Aufgabe übernommen. Dabei wurde gleich praktisch vorgemacht, wie „den richtigen Platz finden“ aussehen kann: Durch eine grosse Rotation von Anja Renz (von 30% auf 80% im COFFEE und Leitung übernehmen), Raffaela Turchi (von COFFEE zu DEEDS Leitung) und Benjamin Bucher (von DEEDS Leitung zur Ermöglicherstelle).

Ein gesunder Mitarbeiterstamm
Es ist enorm erfreulich, wenn Mitarbeitende gut miteinander unterwegs sind. Wie gesund der Zusammenhalt ist, zeigt sich daran, wie Zivis, Praktikanten und andere Neue sehr rasch integriert werden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Gemeindekonvent und Kirchenpflege ist offen und von gegenseitigem Wohlwollen geprägt. Das ist ein grosses Geschenk! Und da sind auch die vielen Freiwilligen zu erwähnen. Viele investieren sich auf hohem Niveau. Der Übergang von den Angestellten zu den Freiwilligen ist fliessend, und das soll auch so bleiben. Zum ersten Mal hatte Pfr. Franco Sorbara einen Praktikanten. Die Präsenz von Dominik Grütter wurde zwar durch den ersten Lockdown etwas ausgebremst. Aber nach seiner Verabschiedung kam bereits wieder die Begrüssung, diesmal als Verantwortlicher für Religionspädagogik (RPG), das Unterrichtsprogramm der Kirchgemeinde und als Ansprechperson für die Jugendarbeit. Susanne Morf folgte Simon Siegenthaler auf die berufsbegleitende Ausbildungsstelle. Weil sie in eine andere Ausbildung wechselte, war ihre Zeit bei uns bereits nach einem Jahr wieder zu Ende. Sie nimmt als besondere Erinnerung mit, wie unsere Kirchgemeinde die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen aufnimmt, und zwar sowohl im Miteinander als auch zielgruppengerecht.

Gesegnet mit Hoffnung

Die Gespräche zur Zukunft unserer Kirchgemeinde wurden unter der Leitung von Hans Strub, Präsident der Bezirkskirchenpflege wieder aufgenommen. Das jetzige Abkommen gilt für eine Übergangsfrist von fünf Jahren ab 2019. Noch ist nicht klar, wie das geregelt werden soll. Das COFFEE&DEEDS und die Villa YoYo waren für viele Menschen aller Generationen während der Corona-Zeit ein sicherer Hafen zum Auftanken. Dabei war viel Kreativität und Flexibilität von unseren Mitarbeitenden gefordert. Sie konnten so manchen Funken der Hoffnung weitergeben.
Das Prinzip Hoffnung ist auch angesagt, wenn es zu den Kirchenaustritten kommt. Leider mussten wir deren 30 verzeichnen. Obwohl wir uns besser mit dem Quartier vernetzen, obwohl ein sehr kreativer und zeitgemässer Willkommensbrief für Neuzuzüger gemacht wurde und obwohl auch das COFFEE&DEEDS und die Villa YoYo Brücken schlagen, werden wir von den meist jüngeren Austretenden schlicht nicht wahrgenommen. Wie kann die gute Nachricht der Bibel für sie wieder eine relevante und hoffnungsvolle Nachricht werden?
Das Konzert „Hope is the Thing with Feathers“ („Hoffnung ist das Ding mit Federn“) anfangs März fand fast zum letzten aller möglichen Zeitpunkte statt, bevor öffentliche Anlässe untersagt wurden. Es war eine gelungene, harmonische Zusammenarbeit mit Musikern aus dem Jazzbereich mit dem klassische- Musik-gewohnten ad hoc- Bläserquintett. Dieser letzte Abschnitt bringt den Jahresbericht auf den Punkt. „Bless you – Leben aus der Fülle“ hat sich in Hirzenbach ausgedrückt in einer bunten und breiten Palette von Menschen aller Generationen, mit vielen Gaben und Interessen. Menschen, die sich trotz Corona an der Fülle freuen, die Gott schenkt und sich auch danach sehnen. Weil Fülle für uns oft nicht fassbar, eben „the Thing with Feathers“ ist.

Bless you
Für die Kirchenpflege Thomas Bucher, Präsident

PS: Dieser Jahresbericht ist aus den Jahresberichten der Mitarbeitenden entstanden. Er zeigt einige Schlaglichter. Die einzelnen Jahresberichte liegen in der Aktenauflage für die KGV vom 11. April 2021. Da ist noch eine grosse, überwältigende Fülle, die hier nicht sichtbar gemacht werden konnten! PPS: Was alles an Beziehungen lebt und durch Projekte läuft kann nicht nur in Berichten erfasst werden, sondern lebt vom Geschichten erzählen! Erzählt sie einander!
Bereitgestellt: 26.03.2021     Besuche: 114 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch