Katrin Stalder

Stets das gleiche und doch immer anders

pixabay schmetterlinge <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Katrin&nbsp;Stalder)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>stefanskirche.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>83</div><div class='bid' style='display:none;'>2186</div><div class='usr' style='display:none;'>27</div>

Popmusik und klassische Musik sind zwei verschiedene Welten, die ihre eigene Geschichte haben, die nach ihren eigenen Gesetzen funktionieren und auf ihre ganz eigene Weise Schönheit ausdrücken. Es fasziniert mich immer wieder, wenn sich diese beiden Welten berühren, und ich an ganz unerwarteten Stellen Gemeinsamkeiten entdecke; zum Beispiel bei einem modernen Lied aus unserer Liederliste und einem barocken Orgelstück.
Katrin Stalder,
Das Lied „Das glaube ich“ von Ben Fielding und Matthew Crocker hat eine charakteristische Akkordfolge, die schon gut hörbar im Intro vorgestellt wird und nachher das Gerüst bildet für die Strophen und den Bridge-Teil. Die Folge besteht aus vier Akkorden, die immer in einem ganz bestimmten Rhythmus gespielt werden, der sich nie ändert. Spielt man das ganze Lied durch, hat man diese Folge sechzehn Mal gehört. Eine Folge aus sechs Akkorden, wieder im gleichen, unveränderten Rhythmus gespielt, ist auch das Gerüst der „Chaconne in E-Moll“ von Dietrich Buxtehude (1637- 1707). Darin wird das Wiederholen des immer gleichen Modelles noch weiter ausgereizt: 31-mal hört man die sechs Töne; sie werden immer im Bass (mit den Füssen auf dem Pedal) gespielt. Obwohl es keinen Text gibt, wird es einem nie langweilig beim Zuhören, denn die oberen Stimmen spielen immer wieder neue Melodien. Die Kunst des Komponierens bestand gerade darin, zur immer gleichen Akkordfolge immer wieder etwas Neues zu erfinden.

Das Wiederholen des immer Gleichen in immer neuen Variationen hat auch einen geistlichen Aspekt: Das Evangelium ist die Geschichte der Liebe Gottes zu uns. Sie bleibt immer gleich. Und wir sind aufgefordert, sie immer wieder neu und kreativ anders weiterzugeben.

Am 16. Mai werde ich im Gottesdienst eine instrumentale Fassung des Liedes „Das glaube ich“ zum Eingang spielen und die „Chaconne“ von Buxtehude zum Ausgang.

Philipp Neukom, Kirchenmusiker
Bereitgestellt: 30.04.2021     Besuche: 90 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch