So schlimm ist es noch nicht

unsplash.com@urschanabi-Front (Foto: Katrin Stalder)
Im Oktober war ich anlässlich des Übergangs vom aktiven Berufsleben in den „Ruhestand“ als Pilger auf dem Jakobsweg. An einem Abend erzählte mir ein Spanier, dass er sich nicht wohlfühle und er deshalb am nächsten Tag nach Hause fahren werde.
Thomas Bucher, Präsident Kirchenpflege,
Ich fragte ihn: „Soll ich für dich beten?“. Er meinte: „Ich glaube nicht an Gott. Da hilft Gebet nichts.“ Worauf ich entgegnete: „Beten kann ich trotzdem für dich.“ Und er antwortete: „So schlimm steht es nun doch noch nicht um mich.“
Ich frage mich: Wie schlimm muss es denn stehen, damit jemand Gebet in Anspruch nimmt? Ist Gebet so quasi die letzte Ölung, wenn es keine Hoffnung mehr gibt? Oder sollte es nicht viel mehr unser natürliches Atmen sein, im Gespräch mit unserem Schöpfer, dem unser Ergehen wichtig ist. Die Bibel ist übrigens voller Einladungen und Verheissungen in diesem Sinne und eine Kostenbremse für Prämien wären solche Gebete auch!
Merkwürdig ist, wie zurückhaltend selbst Christen dabei sind für sich beten zu lassen. Die Haltung „zuerst alles andere probieren und wenn alle Stricke reissen allenfalls für sich beten lassen“ ist weit verbreitet. Und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir das hin und wieder auch passiert.
Warum tun wir uns so schwer, uns in die Hand Gottes fallen zu lassen? Hängt es damit zusammen, dass wir nicht gerne zugeben, dass wir es nicht alleine schaffen? Komisch, die meisten haben kein Problem zum Arzt zu gehen. Warum ist das denn so schwierig beim himmlischen Arzt anzuklopfen, der uns durch und durch kennt, ohne CT, MRI etc.
Für das Neue Jahr wünsche ich uns allen mehr Mut. Nämlich, dass wir nicht warten, bis wir alles andere ausprobiert haben, bis wir für uns beten lassen. Wenden wir uns doch voll Hoffnung und Zuversicht gleichzeitig an Gott und seine Menschen, wenn uns irgendwo der Schuh drückt.
In diesem Sinne, ein gesegnetes und hoffnungsvolles Neues Jahr.